Auswärtsspiel! SpVgg Bayreuth – FC Schweinfurt 05

Heute vor einer Woche startete unser erster vom Förderkreis Kugellagerstadt geplanter und organisierter Fan-Bus zum Auswärtsspiel unserer Schnüdel nach Oberfranken. Nach der völlig verdienten 0:2-Heimniederlage eine Woche zuvor gegen die U21 des Glubbs aus Nürnberg war unsere Mannschaft zum Siegen verdammt, um die Tabellenspitze vor dem Topspiel gegen Türkgücü München zu verteidigen. Eigentlich. Doch dazu später mehr.

Nachdem gegen 10 Uhr beim Getränkelieferanten unseres Vertrauens irgendwo am Main zwischen Haßfurt und Schweinfurt die Bierfächer unseres Busses mit mehr als ausreichend Kästen aufgefüllt wurden – danke an den Bus-Chef Holger Bengel, der tatkräftig mit angepackt hat – ging es Richtung Schweinfurter Stadionvorplatz. Ein Großteil der Mitfahrer hatte sich hier bereits eingefunden und um 11 Uhr war der Bus schließlich abfahrtsbereit. Sehr vorbildlich, gerne so für die Zukunft beibehalten. Noch kurz ein Schluck Mundspülung aus Nordhausen und schon waren wir auf der Autobahn in Richtung Wagnerstadt. Die freien Plätze im Reisegefährt, die sich aufgrund einiger weniger kurzfristiger Absagen (we ❤ Vorkasse!) und einer größeren Kapazität des Fahrzeugs ergaben, wurden im Fußraum mit Getränkekisten aufgefüllt. Und diese sind sowieso die liebsten und angenehmsten Mitfahrer: Stellen keine dummen Fragen, wollen keine Raucher- oder Pinkelpause und sind überhaupt recht anspruchslos. Mit Freunden und netten Menschen vergeht die Zeit bekanntlich wie im Flug und so stand auch schon die große Kaffee- und Kuchenpause (Grüße gegen raus an Herrn Stretz!) in der Nähe von Bamberg statt, wie lagen schließlich hervorragend in der Zeit. Kaffee und selbst gebackener Kuchen (danke dafür!) fanden großen Anklang, die vorgefundenen hässlichen Aufkleber aus Würzburg hingegen überhaupt nicht. Doch wo ein Problem, da bekanntlich auch eine Lösung.

Gegen 13 Uhr erreichten wir planmäßig die weltbekannte OMV-Tankstelle in unmittelbarer Nähe zum Bayreuther Hans-Walter-Wild-Stadion. Hier warteten bereits einige Autobesatzungen aus Schweinfurt, eine Gruppe hatte doch tatsächlich schon einige Stunden im nahegelegenen Tschechien hinter sich. Oder Uwe. H folgend: „Bayreuth ist doch schon Tschechien!“. Nachdem die durstigen Kehlen aus dem Bus mit Gerstensaft und Nordhäuser Mundspülung versorgt wurden, machte man sich auf den doch recht idyllisch gelegenen kurzweiligen Fußweg am Roten Main zum Gästeblock. Der Einlass gestaltete sich, wie in Bayreuth im Gegensatz zu vielen anderen Stadien gewohnt, völlig problemlos. Keine Dorfdiskoproll-Anabol-Ordner sondern freundliche Menschen, mit denen man das eine oder andere Wort wechseln konnte. Der aktive Stimmungsblock positionierte sich im näher zur Heimszene gelegenen Teil des weitläufigen Gästeblocks, der für den Autor dieser Zeilen zu den absoluten Highlights unserer Bauernliga zählt. Ausreichend Platz für alle, schöne große Betonstufen mit Wellenbrechern und ein großer Zaun für Fahnen, so muss das. Dass dieser Zaun (besonders oben!) jedoch auch sehr schmerzhaft sein kann, mussten einige Schweinfurter im Pokalfinale des letzten Jahres am eigenen Leib erfahren.

Die Stimmung im Gästeblock von Beginn an sehr ordentlich und teilweise auch schön lautstark. Von der Heimszene, die seit dieser Saison unter einer eher hässlich ausgefallenen, überdachten Tribüne steht, war kaum etwas zu hören. Auch von der Bayreuther Choreo vor Anpfiff erfuhr man erst im Nachgang der Partie auf Bildern. Auf unserer Seite waren die üblichen großen Schwenker, zwei Doppelhalter und zwei neue kleinere Fahnen im Einsatz. Eine Trommel sorgte für akustische Unterstützung. Zum Geschehen auf dem Rasen sollte man an dieser Stelle eigentlich überhaupt kein Wort verlieren, daher nur soviel: Peinlich!

Unsere Mannschaft hat es doch tatsächlich geschafft, nahtlos an die Arbeitsverweigerung aus der zweiten Halbzeit gegen Nürnberg anzuknüpfen. Ja, diese gar noch zu überbieten. Keine Torgefahr, keine Überraschungsmomente, keine Gegenwehr. Und hinten anfälliger als ein ungeimpftes Kind in der Kita zur Vorweihnachtszeit. Noch dazu für 60 Minuten (!) in Überzahl. Sorry Leute, aber das war weniger als gar nichts. Null! Und trotzdem: Nach den 90 Minuten ist es absolut kontraproduktiv, die eigene Mannschaft zu bepöbeln oder zu beschimpfen. Dass während dem Spiel der Ärger auch mal raus muss, geschenkt. Aber wenn das Spiel aus ist, ist es aus. Und es sind eben dieselben Spieler, die eine Woche später im Topspiel „gegen die Türken“ dann alles raushauen und Türkgücü in die Landeshauptstadt zurückschicken sollen. Dass die meisten Jungs in unserem Trikot selbst am besten wissen, was sie sich mit ihrer nicht vorhandenen Leistung heute eingebrockt haben, wurde am Ende am Zaun recht deutlich. Respekt an dieser Stelle für unseren Spieler Florian Pieper, der aktuell nur recht wenig zum Zuge kommt, jedoch immer soviel Courage hat, nach dem Spiel den Dialog mit uns Fans zu suchen, was sicher nicht immer ganz einfach ist, wenn dir teilweise gefühlt 4 Promille „Verpisst Euch doch!“ entgegenbrüllen. Denn auch das ist bezeichnend und gehört angesprochen: Meist sind die lautesten und derbsten Pöbler nach Abpfiff genau diejenigen, die sich bereits zur Halbzeit kaum noch selbst auf den Beinen halten können. Die mehr vom Bierstand als vom Spiel gesehen haben. Die über 90 Minuten rein gar nichts zum Support und zur Unterstützung der eigenen Mannschaft beigetragen haben, am Ende aber plötzlich aufwachen und diese 90 Minuten in zwei dümmlichen Beschimpfungen zusammenfassen wollen. Positiv zu erwähnen, dass die aktive Szene unsere Mannschaft am Ende am Zaun wieder aufgebaut hat, was sicherlich schwieriger ist, als einfach drauf los zu schimpfen. Und auch wenn es 2 Euro für das bekannte Phrasenschwein kostet: Die Saison ist immer noch lang. Noch ist nichts gewonnen, aber auch nichts verloren.

Apropos verloren: Klarer Verlierer ist aus unserer Sicht an diesem Tag die Polizei bzw. einige Teile der Staatsmacht. Wenn man wie besessen auf eine Handvoll Bayreuther Fans einknüppelt, die nach dem Spiel am Zaun, bei gefühlt 10 Meter Abstand, den Austausch auf sprachlicher Ebene – ja es gab ein paar warme Worte – zum Gästeblock suchen, hat man im Polizeidienst nichts verloren. Punkt. Wobei auch die Tatsache, dass sich diese kurze aber heftige Prügelattacke seitens der Hools im Staatsdienst, von Teilen des Gästeblocks auch noch gefeiert wurde, einfach nur zum Fremdschämen ist. Weiter ging es anschließend an der Tankstelle, wo aufgrund eines Eishockey-Spiels in der benachbarten Eishalle alles mögliche an Fans und Fanszene auf ein Bier anzutreffen war. Während man mit der örtlichen Polizei ganz normal und vernünftig reden konnte, tat das allseits beliebte bayrische USK genau das, für was es berühmt und berüchtigt ist: Provozieren und drohen, um möglichst schnell und ungestraft auf Fans eindreschen zu können. Ob der eine USK-Beamte eine Milchschnitte zuviel zum Frühstück hatte oder ob es zwei Superman-Hefte unterm Kopfkissen waren, wir wissen es nicht. Selten durfte man einen unfreundlicheren und aggressiveren Menschen in Uniform erleben: „Verpisst euch jetzt in euren scheiß Bus sonst passiert was!“, „Halt dein Maul, sonst bleibst du heute Nacht in der Zelle!“, „Das geht dich einen Scheißdreck an und jetzt verpiss Dich!“ um nur einige Stilblüten zu nennen. Das ganze wohlgemerkt gegen friedliche und vor allem freundliche Fans, den sogenannten „Einsatzstock“ immer schön drohend in der Hand und teilweise auch durch die Luft schwingend. An diesem Nachmittag war es wohl nur dem besonnenen Verhalten der Fans zu verdanken, dass der Spieltag am Ende friedlich und ohne Polizeigewalt ausging. Gestern, heute, morgen: USK ABSCHAFFEN!

Gegen 16:45 Uhr brach unser Bus schließlich in Richtung Heimat auf. Nachdem wiederum ein Rastplatz zur kurzen Raucher- und Pinkelpause angesteuert wurde, erreichte man gegen 18:30 Uhr die Kugellagerstadt. Zufrieden und irgendwie, trotz der Nicht-Leistung unserer Mannschaft, glücklich. Glücklich über eine gelungene Auswärtsfahrt, wenn man das Sportliche einmal außen vor lässt. Glücklich über eine tolle Stimmung, über zahlreiche gute Gespräche, über Zusammenhalt. Einfach über eine gute gemeinsame Zeit. An dieser Stelle noch ein herzliches Dankeschön an alle heutigen Mitfahrer unseres Förderkreis-Busses. Der Bus wurde am Stadion gemeinsam (!) aus- und aufgeräumt, gefühlt hat jeder irgendwo mit angepackt. Und trotzdem gibt es einen Minuspunkt: Das nächste Mal dürft ihr gerne etwas mehr trinken (Mundspülung zählt nicht!), dann haben unsere Leute am Ende nicht so viele volle (!) Bierkästen auszuräumen *Zwinkersmiley* Spätestens nach einem Lob unseres Busfahrers Ewald war klar: Das war vielleicht der erste Fanbus, den wir vom Förderkreis Kugellagerstadt organisiert haben, doch ganz sicher nicht der letzte! Bis dahin: Bleibt anständig und FORZA FCS! Achja: Hashtag #Kaffeefahrt! 😉

Datum: 12.10.2019 – Anpfiff: 14:00 Uhr
Spielstätte: Hans-Walter-Wild-Stadion, Bayreuth
Spiel: 15. Spieltag Regionalliga Bayern
Ergebnis: 3:1
Tore: 1:0 Manu (Eigentor 25.), 2:0 Knezevic (52.), 3:0 Eder (54.), 3:1 Pieper (80.)
Gelb-Rot: Weimar (28.) // Timo Rost (Trainer Bayreuth) wurde auf die Tribüne geschickt (28.)
Zuschauer: 1.449 (davon ca. 100 Schnüdel)
Entfernung zu Schweinfurt: 121 Kilometer

SpVgg Bayreuth: Kolbe – Eder (60. Fenninger), Weber, Messingschlager – Weimar, Makarenko (21. Schiller), Wolf, Kracun, Piller – Knezevic, Marinkovic (73. Koussou)

FC Schweinfurt 05: Zwick – Fritscher, Kleineheismann, Billick, Lo Scrudato – Manu (46. Laverty), Fery – Danhof, Krätschmer, Maderer (46. Suljic) – Jabiri (67. Pieper)

Weitere Bilder von Tobias Mühlsteff, vielen Dank dafür!