Reform der Regionalliga: Bayern, der Norden und der Nordosten wollen drei Ligen behalten

Am gestrigen Dienstag haben sich Vereinsvertreter aus den drei zu diskutierenden Regionalligen Bayern, Nord und Nordost klar für den Beibehalt ihrer aktuellen Ligen ausgesprochen. Die drei Regionalligen sollen weiterhin in ihrer jetzigen Form existieren, was ohne Gegenstimme (!) bei vier Enthaltungen durch die insgesamt 47 Vereinsvertreter beschlossen wurde. An einer fünfgleisigen Regionalliga führt also auch weiterhin (leider!) scheinbar kein Weg vorbei. Womit jedoch die Problematik, dass der Meister nicht automatisch auch in die dritte Liga aufsteigt, keineswegs gelöst ist: Während der Südwesten und der Westen ab der Saison 2020/2021 je einen festen Aufsteiger stellen, sollen in Zukunft aus den übrigen drei Regionalligen Bayern, Nord und Nordost je zwei Aufsteiger ermittelt werden. Es bleibt also weiterhin so: Über eine ganze Saison souverän Meister werden, ob du anschließend aber auch aufsteigst, bleibt offen und von vielen Faktoren abhängig. Ist dann halt unfair, widerspricht dem Sportgedanken, wird also weiterhin so gemacht. Punkt.

Dass sich die Vertreter der Nordost-Clubs, wie beispielsweise Ingo Kahlisch, Trainer von Optik Rathenow, für den erzielten „Erfolg“ abfeiern lassen, ist aus deren Sicht sogar nachvollziehbar: Warum sollte man freiwillig in die absolut unattraktive Regionalliga Bayern, die ein reines Prestigeobjekt des Bayerischen Fussball Verbandes ist, wechseln, um dann in Zukunft 615 Kilometer nach Burghausen oder 632 Kilometer nach Rosenheim fahren zu dürfen? An dieser Stelle wäre fraglich, wo man die geografische Grenze ziehen würde, um die Vereine der Regionalliga Nordost entweder dem Norden oder dem Süden zuzuordnen: Ab Berlin? Ab Leipzig? Selbst aus der Messestadt wären es je knapp 500 Kilometer einfach nach Rosenheim oder Burghausen. Abgesehen von den Entfernungen klingen Gegner wie Heimstetten, Pipinsried oder die fünf (!) U23-Mannschaften der Erst- und Zweitligisten einfach sportlich unattraktiv, wenn man wie aktuell eben in der heimischen Liga auf den Chemnitzer FC, Rot-Weiß Erfurt, BFC Dynamo Berlin, Lokomotive Leipzig oder den SV Babelsberg trifft. Man muss es an dieser Stelle ganz klar sagen und offen aussprechen: Die beiden Regionalligen Nord und Bayern bilden die absoluten Schlusslichter der vierten Ligen. Sowohl von der sportlichen als auch von der fantechnischen Attraktivität.

Es folgt ein Auszug aus dem „Bahnwärter“, dem Spieltagsheft der aktiven Fans von Lokomotive Leipzig, der Fankurve1966 (Textquelle: FK1966.de):

Vor wenigen Tagen wurde öffentlich, womit alle bereits gerechnet haben. Der Regionalliga Nordost droht die endgültige Zerschlagung inklusive einer Eingliederung in das sinnlose Bayern. Das schmerzt gewaltig, schließlich kam von dort unten noch nie etwas Gutes. Dann doch lieber die Chinesen!

Während die ersten in unseren Reihen vom Stahlrohr-Duell in Burghausen feuchte Träume bekommen, kotzen die anderen aufgrund von Gegnern wie Memmingen, Pipinsried und Illertissen International F.C. bereits im Strahl.

Die öffentliche Positionierung unseres Vereins war in Ordnung und hat es immerhin bis in die SUPERillu geschafft. Am Ende bleibt es aber wohl doch der Sturm im Wasserglas, so ehrlich muss man dann schon sein. Besonders enttäuschend wiegt natürlich die Positionierung fast aller Ost-Drittligisten, die mittlerweile längst etablierter Teil dieses Schweinesystems sind und vielleicht auch gar nicht mehr anders können, als „Amen!“ zu sagen.

Auch wenn diese neue Dimension bayerischer Gewalt noch gut und gerne zwei Jahre von uns entfernt lieg, haben wir dennoch mit ein wenig Wut im Bauch und einer ordentlichen Portion blindem Aktionismus Pinsel und Rolle geschwungen. Lieber BFC als BFV!

–> Die Ergebnisse der geschwungenen Pinsel findet Ihr hier!

Alptraum-Szenario im Osten? Alltag in Bayern!
Alptraum-Szenario im Osten? Alltag in Bayern!

Rainer Koch, seines Zeichens Präsident des Bayerischen Fussball Verbandes und Vizepräsident des DFB: „Es ist nicht verantwortbar, die regionale Identität der Regionalliga Nordost zu zerstören.“ Die Regionalität der Regionalliga Bayern besteht dank Koch und Verband hingegen – trotz ständiger Lobhudelei als ach so geniales und kultiges Erfolgsmodell – eigentlich seit Anbeginn aus grauer bäuerlicher Tristesse: Im Freistaat, wo zahlreiche Dorf- und sogenannte „Kultclubs“ wie der TSV Buchbach auf die Ars**puderei der Süd-Bundesligisten durch den Verband in Form deren U23-Mannschaften treffen. In diesem Sinne: Endlich raus aus dieser Bauernliga!