Auswärtsspiel! TSV 1860 München – FC Schweinfurt 05

Das sportliche Fazit zuerst: Unsere Schnüdel waren gut, auf die ganzen 90 Minuten bezogen vielleicht sogar besser. Die Münchner Löwen waren hingegen cleverer. Und das reicht aktuell, um unseren FC05 ordentlich auf Abstand zu halten. Uli Hoeneß würde in einer solchen Situation vermutlich gar das obligatorische Fernglas rausholen. So hatte unsere Mannschaft von Beginn an gut die grünen Hosen voll, die Rollen waren schließlich vor der Partie klar verteilt (worden!). Gut, vor einer solchen Kulisse von über 12.ooo Zuschauern hatten die wenigsten unserer Spieler bisher gespielt, aber dann gleich so schwach anzufangen? Zugegeben: Die Atmosphäre in diesem Betonklotz ist auch einfach etwas anderes als in den gekünstelten „Arenen“ im bayerischen Hinterland, die man als 05er ansonsten Wochenende für Wochenende so ansteuern darf. Wobei man an dieser Stelle auch den Finger in die Wunde legen und anmerken muss, dass bei uns zuhause im Willy-Sachs-Stadion aktuell – abgesehen von der Pokal-Partie gegen Sandhausen und unter der Woche die letzten 15 Minuten gegen Unterhaching – nur ein laues Lüftchen weht. Da kommt einem ein solches Highlight im tristen Ligaalltag gerade recht.

Doch bevor man sich das altehrwürdige Stadion und die blauen Löwen überhaupt richtig angesehen hat, liegt man auch schon mit 0:2 zurück. Was war passiert? Die beiden blauen Sturmspitzen Mölders und Ziereis zeigen unserer Defensive gnadenlos auf, wie Fussball funktionieren kann: Auf der einen Seite wird der Körper gut eingesetzt und der besser postierte Mitspieler angespielt, der eiskalt zum 1:0 abschließt. Auf der anderen Seite wird höchst  amateurhaft verteidigt. Clever trifft unclever, so einfach. Nach einer knappen Viertelstunde steht so bereits das 2:0 durch Mölders, nach starke Vorarbeit Helmbrecht, auf der – wie aus einer anderen Zeit stammenden – Anzeigetafel. Nostalige und Tristesse pur. „Ach herje, die hauen uns heute her“ lautet der einstimmige Tenor im Gästeblock, als Helmbrecht in Minute 17 die Riesenchance auf das frühe 3:0 für die Hausherren vergibt. In der 22. Minute dann die erste große Gelegenheit für unsere Schnüdel, doch Adam Jabiri wartet zu lange und kann so gerade noch von einem Löwenverteidiger gestört werden. Einige fordern Elfmeter, was der Schiedsrichter jedoch nicht erhört. Knappe Entscheidung jedenfalls, 50/50 wie man so schön sagt. Zehn Minuten später ist es dann aber doch soweit: Kevin Fery zimmert die Kugel zentral, gut drei Meter vor der Strafraumgrenze, sehenswert ins rechte Eck. Jubel im Gästeblock, der dann doch irgendwie verhalten rüberkommt. Zu deutlich ist der bisher gesehene Unterschied zwischen beiden Mannschaften.

In der zweiten Hälfte müssen die Löwen rasch in Unterzahl ran, nachdem Helmbrecht nach Foul an Christopher Kracun die gelb-rote Karte sieht. Jetzt muss doch noch etwas gehen! Auf geht’s FC! Unsere Schnüdel übernehmen nun immer mehr das Kommando auf dem Platz, scheitern aber meist am Torhüter der Hausherren oder an der zu kleinen Größe des Tores. In der 73. Minute wischt Routinier Mauersberger in letzter Sekunde einen Schuss von Marius Willsch von der Torlinie. Das gibt’s doch nicht! Rein das Ding jetzt! Doch kurz vor Schluß auf der anderen Seite das 3:1, welches unserer Mannschaft den letzten Wind aus den Segeln nimmt. Wieder dieser Mölders.

Dann ist’s rum: Aus und vorbei, die Löwen gewinnen ein über 70 Minuten lang intensives Spitzenspiel, in dem für unsere Kugellagerstädter definitiv auch mehr drin gewesen wäre. Wenn, ja wenn unsere Mannschaft schon von Beginn an auf dem Platz gestanden hätte und direkt nach Anpfiff ein bisschen Mehr Mut und Courage in die Waagschale geworfen hätte. So gewinnt eben eine clevere Mannschaft, die nicht immer unbedingt auch die bessere gewesen sein muss.

Im Gästeblock wehten über 90 Minuten, neben der großen Sektion-Stadionverbot- und der Wappen-Fahne, zahlreiche grün-weiße Schwenker und ein Doppelhalter. Die Mannschaft wurde streckenweise, auch nach dem frühem 0:2-Rückstand, lautstark voran gesungen. Von Seiten der Sitzplatztribüne wurde eine ordentliche Lautstärke des Gästeblocks attestiert und auch eine kleinere Schalparade (wie sie bei uns leider nur sehr selten zu sehen ist) zentral im Block war nett anzuschauen. Die Mitmachquote war über die gesamte Spieldauer jedoch aufgrund zahlreicher Zuschauer, die leider nur bei den Highlight-Spielen anwesend sind und daher an Support kaum Gefallen finden, eher gering. Insgesamt steht ein Auswärtsauftritt mit viel Licht, aber auch ein wenig Schatten. Die Löwen starteten mit einer Oktoberfestchoreo am Zaun, die mit blauen und gelben Fähnchen untermalt wurde. Über die 90 Minuten wurden zahlreiche Spruchbänder zu unterschiedlichsten Themen in der Heimkurve präsentiert. Direkt zum Wiederanpfiff in der zweiten Halbzeit forderten Heim- und Auswärtsbereiche per Transparent „Meister müssen aufsteigen!“. Zudem wurde akustisch im Wechselgesang deutlich gemacht, was man aktuell von den Verbänden hält. In den Farben getrennt – in der Sache vereint!

Warum es unsere Profitruppe – bis auf an einer Hand abzuzählenden Ausnahmen, darunter auch Ersatzkeeper David Paulus – mal wieder nicht für nötig gehalten hat, sich nach Schlusspfiff zu den zahlreichen wartenden Fans zu bewegen: Den Charakter kann man auch aus den kleinsten Handlungen erkennen.“ – Seneca

  • Datum: 30.09.2017 – Anpfiff: 14:00 Uhr
  • Spielstätte: Stadion an der Grünwalder Straße, München
  • Spiel: 13. Spieltag der Regionalliga Bayern (4. Liga)
  • Ergebnis: 3:1
  • Tore: 1:0 Ziereis (6.) – 2:0 Mölders (13.) – 2:1 Fery (32.) – 3:1 Mölders (85.)
  • Gelb-Rote Karte: Helmbrecht (55. wiederholtes Foulspiel)
  • Zuschauer: 12.200 (davon ca. 500 Schnüdel)
  • Entfernung von Schweinfurt: 290 Kilometer

TSV 1860 München: Hiller – Weeger, Berzel, Mauersberger, Steinhart – Wein, Hursan (70. Köppel) – Helmbrecht, Karger (82. Andermatt) – Mölders, Ziereis (73. Koussou)

FC Schweinfurt 05: Eiban – Messingschlager, Wolf (34. Bilick), Strohmaier, Paul – Fery, Kracun – Willsch, Jelisic (73. Pieper), Krautschneider (83. Fritscher) – Jabiri

Presseschau:

„Mit Glück und Mölders: Es war ein hartes Stück Arbeit. Im nicht ganz ausverkauften Stadion bestimmten die Löwen die ersten 30 Minuten. Der sehenswerte 1:2-Anschlusstreffer per Schlenzer von Kevin Fery (32.) fiel vollkommen überraschend, ließ die Schweinfurter aber aufwachen und die bis dahin so sicher wirkenden Löwen ins Wanken geraten“ – TZ München

„Der Löwe brüllt auch gegen Schweinfurt! 3:1 endet eine hitzige Partie, in der Helmbrecht mit Gelb-Rot vom Platz fliegt.“ – Abendzeitung

Weiter Bilder und Informationen unter www.in-und-um-sw.de!


4 Gedanken zu “Auswärtsspiel! TSV 1860 München – FC Schweinfurt 05

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s