In der Fremde! Lok Leipzig – Inter Leipzig

Da seit dem letzten Lok-Besuch nun auch schon wieder fünf Monate ins Land gezogen sind, war es am Samstag mal wieder soweit: Lokomotive Leipzig lud an diesem regnerischen Tag zum absoluten Topspiel der fünftklassigen NOFV-Oberliga Süd. Im Kampf um den Aufstieg in die Regionalliga Nordost war der zweitplatzierte Verein International Leipzig zu Gast beim Tabellenführer im „Bruno„. Über 2.300 Karten konnten im Vorverkauf abgesetzt werden, eine Kulisse von über 4.000 Zuschauern wurde erwartet. Die Loksche aktuell mit zwei Punkten mehr auf dem Konto als International und dabei noch zwei Partien weniger gespielt. Es schaut also ganz gut aus in Sachen Meisterschaft und Aufstieg für die Mannschaft, die nach 20 gespielten Partien immer noch ungeschlagen ist und dabei erst 8 (!) Gegentreffer fangen musste.

Lok

Lokomotive Leipzig - International Leipzig

Lokomotive Leipzig - International Leipzig

Zu International Leipzig: Der noch junge Verein wurde im Sommer 2013 gegründet. Nachdem der Zusammenschluss mit dem TuS Leutzsch Leipzig gescheitert war, kam der damals insolvente SV See 90, aus dem gut 200 Kilometer entfernten (!) Niesky, ins Spiel: Inter schloss sich mit dessen ausgegliederter Fussballmannschaft zusammen und erhielt das Spielrecht für die sechstklassige Sachsenliga. Nachdem man die Saison 14/15 auf einem zweiten Platz, hinter dem Bischofswerdaer FV und vor der BSG Chemie Leipzig, beendete, stieg man schließlich in die Oberliga auf. Als Ziel wurde beim Aufsteiger der Klassenerhalt ausgerufen. Laut eigenen Aussagen steht der Verein für einen bunten Fussball, der Integration als übergeordnetes Leitbild ausgibt. In der aktuellen Ausgabe des Fanzines der Lok Fankurve 1966, dem „Bahnwärter“, wird das Projekt eher kritisch betrachtet:

„Ist es der Plan des Hauptsponsors CG und den Hintermännern, Spieler billig zu kaufen, nach Deutschland zu lotsen, um diese dann später wiederum gewinnbringend zu verkaufen? Diese Vermutung liegt nahe. Immer wieder sorgen die (Un)gehörnten auch bei Amateuer- und Jugendmannschaften für Verstimmungen. Diese beklagen das aggresive und wildernde Vorgehen der Nachwuchsabteilungen und Koordinatoren um den Ansprechpartner und Geschäftsführer Sandro Kahl. (…) Ebenso kurios wie der „Verein“, seine vermuteten Ziele und sein ganzes Wesen, ist auch der Fakt, dass der FC International über keine eigene Spielstätte verfügt. (…) Hauptsponsor und vermutlicher Anstifter im Hintergrund ist, auch hier wie im gesamten Vereinsgebilde, die Immobiliengruppe „CG Gruppe GmbH“ mit ihrem Firmensitz in Leipzig. (…) Fassen wir also zusammen: Ein Verein, der von dubiosen Hintermännern aus Politik und Wirtschaft gegründet wurde, ohne eigene Spielstätte und beim letzten Spiel 86 Zuschauer hatte, verkauft sich sich vordergründig als sozialer Heilsbringer und verfolgt dabei trotz riesiger Kapitalmengen im Hintergrund augenscheinlich mit seinen Sportlern keine höher geordneten sportlichen Zielstellungen, sondern verpflichtet Spieler, die am Verbleib kein Interesse haben.“

Nun aber zum Spiel: Nachdem das „Bruno“ eine Stunde vor Anpfiff erreicht wurde, waren die Karten für die Tribüne und den Dammsitz bereits restlos ausverkauft. So ging es schließlich für sechs Euro auf die Gegengerade, die fest in Lok-Hand war. Zuvor noch schnell den immer wieder lesenswerten „Bahnwärter“ am Verkaufsstand der Fankurve 1966 erworben, und ab an den Wellenbrecher. Ungefähr 10 Minuten vor Anpfiff begann der Stadionsprecher mit dem „Einheizen der Lok“: Die Aufstellungen wurden bekanntgegeben und die Anhänger dazu aufgefordert, die gemeinsamen L-O-K-Rufe, wenn die Mannschaft den Rasen betritt, bis nach Sandhausen ertönen zu lassen Hintergrund: Am Vorabend war der SV Sandhausen beim Leipziger Brauseverein zu Gast und gewann dort mit 1:0. Das Intro der Lokszene, die mit ein paar Sportsfreunden aus Halle am linken Ende der Tribüne Platz nahmen, kam ganz gut: Mit einer Choreografie wurde dabei an die bisherigen Vereinserfolge von Lokomotive Leipzig erinnert. „50 Jahre Leipziger Fußballgeschichte“ lautete das Motto der Fahne, die am Dach des Stadions emporgezogen wurde. Die Stimmung von Beginn an gut, zahlreiche Zaunfahnen, darunter auch die obligatorische HFC-Fahne, schmückten das „Bruno“. Im Gästeblock nicht wirklich was los: Rund 30 Anhänger hatten sich hinter einer internationalen Beflaggung eingefunden, zu hören war jedoch nichts. Aus der Fankurve, dem Bereich der Ultras, auch bekannt als „Fankurve 1966“, war eine Trommel zu vernehmen und zwei größere Schwenkfahnen sowie ein Doppelhalter zu sehen. Die Zaunbeflagung bestand aus einem großen Transparent, Stichwort „INTER MERDA“, das später jedoch wieder Platz für „Avanti Lok“ und „Ultras Lok“ machen durfte.

Auf dem Rasen ging es von Beginn an gut zur Sache: So wurden von beiden Mannschaften keine Zweikämpfe gescheut und auch das ein oder andere Foul durfte gepfiffen werden. Der Spielfluss daher eher mau. Kurz vor der Pause dann der verdiente Führungstreffer der Loksche durch Ziane. Der Pausenpfiff war schließlich das Stichwort, die Gegengerade in Richtung der Fankurve zu verlassen: Das andauernde Abledern gegen „Kanacken“ und „Mistvieh“, welche(s) doch eigentlich er******* gehört, seitens einiger Umherstehender (spricht man da noch von Mitbürgern?), waren nicht länger zu ertragen. Fremdschämen pur. Dass beim Fussball einiges an derben Worten dazugehört, geschenkt. Dass man jedoch, mit Frau und Kind im Anhang, seine geistigen Ergüsse in Bezug auf Fremde oder andersfarbige Menschen unter’s Volk bringen muss, erbärmlich. Unterste Schublade. Einfach traurig. In einem bekannten deutschen TV-Fussball-Talk, der meist am Sonntag ab 11 Uhr läuft, würde man vermutlich hören: „Das hat im Fussball nichts zu suchen“. Eigentlich sollten wir uns jedoch darin einig sein, dass ein solches Verhalten auch ganz allgemein in unserer Gesellschaft nichts zu suchen hat! Punkt!

In der Fankurve 1966 der Ultras dann glücklicherweise ein gänzlich anderes Bild: Mit Wiederanpiff wurde die eigene Mannschaft lautstark supportet und nach vorne geschrien, Schalparade inklusive. Passend dazu das Selbstverständnis der Fankuve 1966 in ihrem Onlineauftritt: „Zudem legen wir großen Wert darauf, dass sich ein jeder innerhalb unseres Blockes bedingungslos wohlfühlen kann. Jegliche Formen von Diskriminierung und sonstigem menschenverachtendem Gedankengut finden in unseren Reihen definitiv keinen Platz. Jeder, der Mannschaft und Verein lautstark und kreativ unterstützen möchte bzw. sich auf ein Mindestmaß an gemeinsamen Grundsätzen verständigen kann, ist in der Kurve herzlich willkommen.“ So muss Fussball! Untermalt wurde die Szenerie durch eine bunte Konfetti-Aktion und zwei gelbe Rauchtöpfchen, mit denen farbliche Akzente gesetzt werden. Sehr ordentlich und schön anzusehen. Am Ende stand ein 2:1 für Lokomotive auf der Anzeigetafel, was insgesamt auch verdient war. Bis auf die, hoffentlich wenigen, negativen Ausnahmen auf der Gegengerade ein rundum gelungener Fussballnachmittag in Probstheida.

  • Datum: 16.04.15 – Anpfiff: 14:00 Uhr
  • Spielstätte: Bruno-Plache-Stadion, Leipzig Probstheida
  • Spiel: 23. Spieltag der NOFV-Oberliga Süd (5. Liga)
  • Ergebnis: 2:1 für die „Loksche“
  • Zuschauer: 4.188
  • Wetter: Leipziger Allerlei aka. Regen, dann Sonne

Lokomotive Leipzig - International Leipzig

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