Zur Lage in der Regionalliga Bayern: Der Streit kocht weiter

Nachdem die Dritte Liga an diesem Wochenende wieder Fahrt aufgenommen hat, stehen in der Regionalliga Südwest mit dem FC Saarbrücken und in der Regionalliga Nord mit dem VfB Lübeck die Drittliga-Aufsteiger bereits fest – die beiden Ligen werden abgebrochen. Im Westen hat der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) den Antrag von Rot-Weiss Essen und Rot-Weiß Oberhausen, den Teilnehmer aus der dortigen Regionalliga an der Aufstiegsrelegation über K.O.-Spiele zu ermitteln, abgelehnt. Wie es nun weitergeht, ist noch offen. Im Nordosten ist man sich dagegen einig, dass die Saison auch dort abgebrochen wird. Unklar ist lediglich, wer als Meister an den Relegationsspielen gegen den Vertreter aus dem Westen antreten darf: Erster ist aktuell die VSG Altglienicke aus Berlin, auf dem zweiten Platz liegt punktgleich Lokomotive Leipzig – jedoch mit einer gespielten Partie weniger. Geht es nach der Quotientenregel, wird der Verein aus der Messestadt am Ende in die Relegation zur Dritten Liga gehen.

Komplizierter erscheint die Situation in der Regionalliga Bayern, wenn auch erst auf den zweiten Blick: Emporkömmling Türkgücü aus München liegt bekanntlich mit neun Punkten Vorsprung auf die Schnüdel auf dem ersten Tabellenplatz. Und doch herrscht dort dank des Sonnenkönigs aka. Präsidenten Hasan Kivran, der offenbar auch größter Geldgeber des Aufsteigers ist, Chaos. Zum einen könnte ein Aufstieg immer noch an der ungeklärten Stadionfrage scheitern, die spätestens mit der Idee Kivrans, in der neuen Saison die „Heimspiele“ doch einfach im Westen auszutragen, zur Realsatire mutiert ist. „Ich weiß, dass wir in München stören„, so der Präsident gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ und brachte direkt Essen, Duisburg oder Düsseldorf ins Spiel, was der DFB jedoch rasch unterband. Aktuell kommen gar Gerüchte um eine mögliche Rückkehr des Profifussballs ins Münchner Olympiastadion auf, es bleibt also abzuwarten, ob und wo Türkgücü in der nächsten Saison überhaupt gegen den Ball tritt.

Zusätzlich steht einem Aufstieg Türkgücüs aber auch noch etwas anderes im Weg, genauer gesagt jemand – und zwar Präsident Hasan Kivran selbst. Geldgeber Kivran, der sich nur allzu gerne in sportliche Belange einmischt, soll bereits in der Winterpause gegenüber der Mannschaft mit dem Abbruch des Projekts im kommenden Sommer gedroht haben. Zur Erinnerung: geplant war schon der Durchmarsch in die Zweite Bundesliga. Kurze Zeit später erfolgte die Trennung vom damaligen Geschäftsführer Robert Hettich. Hinzu kommt aktuell die Corona-Krise und deren mögliche Auswirkungen auf den Spielbetrieb und die damit verbundenen Finanzprobleme in der Dritten Liga. Auch dort drohen Geisterspiele, im härtesten Fall über die komplette Saison, was die Sponsorenakquise und die damit verknüpfte Etatplanung massiv beeinträchtigt. Sicher scheint also erst einmal die Tatsache, dass nichts sicher ist.

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) beschloss, dass das Team in die Dritte Liga aufsteigen darf, das bei Meldefrist, die es noch immer nicht gibt, die Tabelle anführt. Neben Türkgücü haben lediglich die Schnüdel die Lizenz für die Dritte Liga beantragt. Die Vereine der Regionalliga Bayern sind sich über einen Abbruch der Saison indes einig: Mit 12:1 Stimmen sowie vier Enthaltungen haben sich die Vereine bei einer Umfrage gegen eine Fortsetzung der Liga ausgesprochen. Lediglich der FC Memmingen, der alle Verträge mit seinen Spielern bereits im März aufgekündigt hatte, plädierte für eine Fortsetzung der Saison. Vom BFV kam jedoch weiterhin keine Entscheidung.

Durch die intern durchgeführte „12:1“-Abstimmung zwischen den Vereinen der Regionalliga Bayern scheint sich der Konflikt mit dem Verband nun deutlich verschärft zu haben. So dementierte der Bayerische Fußball-Verband (BFV) am vergangenen Mittwoch in einer Pressemeldung, dass es überhaupt eine Abstimmung unter den Vereinen gegeben habe. Darin erklärt er, es würde behauptet werden, dass es „eine Abstimmung der Vereine aus der Regionalliga Bayern über den weiteren Fortgang der aktuell wegen der Covid-19-Pandemie unterbrochenen Spielzeit gegeben hat. Eine Quelle für diese Information wird nicht genannt.“ Der Verband erklärt, dass die Nachricht jedweder Grundlage entbehre.

Wolfgang Gruber, Geschäftsführer der SpVgg Bayreuth wirft BFV-Präsident Rainer Koch nun vor, offen zu drohen. Der BFV habe versucht, die Öffentlichkeit durch seine Pressemeldung zu täuschen. So habe auch der Sprecher der Regionalliga, Markus Clemens, in einer Mail an die Regionalligisten bestätigt: „Dem BFV ist seit Wochen das Meinungsbild unserer gemeinsamen, ligainternen Videokonferenz bekannt.

Gruber berichtet weiter, dass Koch in einer E-Mail den Vorstandsvorsitzenden der SpVgg Bayreuth, Christian Wedlich, aufgefordert habe, sein Personal zu maßregeln:Ich würde es deshalb sehr begrüßen, wenn Sie als Vorstandsvorsitzender für einen angemessenen Umgang des Ihnen im Verhältnis zum BFV zuzurechnenden Personals Ihrer Tochtergesellschaft sorgen würden“, zitiert Gruber aus Kochs Schreiben und stellt dazu fest: „Erneut beweist der Präsident des BFV ein geradezu absolutistisches Machtverständnis und droht offen! Es ist wohl der letzte Versuch eines Funktionärs, durch die alt bekannte Taktik der persönlichen Verunglimpfung, ein Ablenkungsmanöver von seinen eigenen nicht mehr verständlichen Handlungen durchzuführen.

Mehr noch:Dr. Koch ist ein mächtiger Mann. Seine Macht begründet sich offensichtlich auch darauf, andere einzuschüchtern und zu sanktionieren. Unter seiner Leitung wird vorab bestimmt, was abgestimmt werden soll. Andere Meinungen werden nicht toleriert. Es kann nur eine Meinung geben. Durch sein zweifellos taktisches Funktionärsgeschick hat der BFV-Präsident es geschafft, ein herrschaftliches Netzwerk aufzubauen“, so Gruber. Der Fußballverband sei nicht mehr Dienstleister der Vereine, „sondern im Vorgesetztenmodus Staat und Kirche zugleich.

Fazit: Zu viele Köche verderben häufig den Brei – in Bayern scheint dazu einer völlig auszureichen.


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