DFB-Pokal! FC Schweinfurt 05 – Eintracht Frankfurt

„Lebbe geht weider!“. Stimmt, Stepi. Doch so ganz ist die packende Pokal-Partie vom vergangenen Dienstagabend (glücklicherweise!) noch nicht raus aus dem Kopf. Dazu war das volle Rund in unserem Willy-Sachs-Stadion dann doch einfach zu imposant. Zu einprägsam. Zu nachhaltig. Zu außergewöhnlich. Kontrast gefällig? Gestern, zum Ligaspiel unserer Schnüdel gegen die U23 der Greuther Fürther kamen ganze 787 Zuschauer, bei zugegeben nicht allerbestem Fussballwetter. Traurig jedoch für eine Stadt, die sich immer noch „Sportstadt“ oder gar „Fussballstadt“ auf die wehenden Fahnen schreibt. Etwas mehr als der harte Kern, der einfach bei jedem Wetter oder noch so uninteressanten Gegnern auf den Stehrängen der Gegengerade verweilt und unsere Elf anfeuert, hätte es nach dieser Werbung für unseren Verein am Dienstagabend dann aber doch sein dürfen. Nun rufen wir uns aber noch einmal den Dienstag, 24.10.2017, ins Gedächtnis.

Ein Teil der aktiven Fanszene traf sich gegen Nachmittag in einer mittlerweile (Danke Internet!) einschlägigen, kneipenähnlichen Lokalität am Rande der Schweinfurter Fußgängerzone. Stichwort: herzlich-rau. Da einige PKW zuvor bereits in Stadionnähne abgestellt wurden, machte sich unsere kleine Gruppe vom Volksfestplatz aus auf den Weg in Richtung Innenstadt, um bereits hier zahlreiche Wannen zu erblicken. Gerüchte bezüglich der UF, die im Vorfeld die Runde machten, erwiesen sich im Nachhinein wie so häufig als falsch. Doch Vorsicht ist besser als Nachsicht und so machten sich einige Leute per pedes auf den Weg durch die Innenstadt, um eventuellen Überraschungen vorzubeugen. Nachdem umfangreich für das leibliche Wohl gesorgt wurde, ging es – zuvor wurde noch großzügig ein FCS-Aufkleber an die Staatsmacht aus Bamberg verteilt (Danke an Offenbach!) – mit ca. 40 Mann in Richtung Heimstätte. Da kurz zuvor bekannt wurde, dass ein Frankfurter Mob im Innenstadtgebiet gesichtet und seitens der Staatsmacht aufgelöst bzw. zerschlagen wurde, rechnete man nun doch insgeheim mit einem Übergriff seitens der Gäste. Da erschien der Weg vorbei an zahlreichen Parks und Hinterhöfen einfach unwiderstehlich. Nach einigen Gesangseinlagen erreichte man nach ca. 30 Minuten Fußmarsch und ohne jegliche Vorkommnisse das Stadion. An der Ampel zum Kasernenweg noch ein reger Austausch an Nettigkeiten mit einer Gruppe Hessen und man war drin. Bereits gut eine Stunde vor Anpfiff füllte sich das weite Rund zusehends und die freien Stellen auf den Stehrängen wurden von Minute zu Minute weniger.

Bezüglich der Choreo ein Statement der durchführenden KM98 im Nachgang der Partie: „Unser Projekt „komplette Gegengerade Choreographie“ wurde am Dienstag erfolgreich abgeschlossen und wir sind insgesamt rundum zufrieden mit der Leistung aller im Stadion, inklusive unserer. Was bleibt, ist der Gänsehautmoment, die Erinnerungen und der Stolz, etwas Nachhaltiges bewirkt zu haben. Somit sind die unzähligen Stunden der Vorbereitungen, Verzweiflungen, Meinungsverschiedenheiten und harter Arbeit vergessen und wir schauen mit einem Schmunzeln auf die Wochenlangen Choreoarbeiten zurück.“

Um Euch ein kleinen Einblick in die Dimensionen dieser Choreo zu geben, hier ein paar knallharte Fakten:
– Kosten 3500€
– 6000 Utensilien (Westen, Ponchos, Schlauchballons)
– 200m² verwendete Folien (für das Spruchband)
– 30 Rollen Klebeband
– 1000 Choreoflyer
– 150 Kaputte Moite Infohefte
– hunderte Stunden Arbeitseinsatz

Um die persönlichen Ausgaben für die große Choreo einigermaßen in Grenzen zu halten, ist die KM98 auf Spenden angewiesen. Wer sich hier beteiligen möchte, kann sich gerne per Mail, Kommentar oder via Facebook melden. Aktuell sind zusätzlich Soli-Shirts mit Motiven des Frankfurt-Spiels in Planung, die für ein paar Euro Aufpreis helfen sollen, die Finanzen ein wenig aufzubessern. Weitere Infos hierzu werden folgen.

Pünktlich zum Anpfiff waren die Ränge und die Tribüne pickepackevoll, nichts ging mehr. Kurz zuvor wurde der eigentlich als Trennung gedachte Pufferblock seitens der Staatsmacht geöffnet und innerhalb weniger Sekunden mit Gästen geflutet. Gesicherten Angaben zufolge befanden sich insgesamt über 4.000 Frankfurter im Gästeblock. Die grün-weiße Choreo, die nahezu die komplette Gegengerade einbezog, war zum Einlauf der Mannschaften schön anzusehen. Lediglich der Vermarktungswahn unseres geliebten DFB in Form der zusätzlichen Werbebande rund ums Spielfeld schmälerte den frontalen Anblick unterhalb der Tribüne, da das am unteren Ende des Zauns angebrachte Spruchband „ERSTER FUSSBALLCLUB SCHWEINFURT SEIT NEUNZEHNHUNDERTFÜNF“ nur schwerlich zu lesen war. Was die Gäste zum Einlauf in ihrem Block entfachten, war vermutlich die größte Pyroshow, die unser altehrwürdiges Willy-Sachs-Stadion je gesehen hat: Bereits im Vorfeld als Inferno angekündigt, brachte die Eintracht zahlreiche Fackeln und Raketen mit in den Gästeblock. Der Zaun wurde mit zwei roten Wappen der Eintracht und einem Adler mit „Ultras“ beflaggt. Eingerahmt wurde das Ganze links und rechts von einem schwarz-weiß-schwarzem Banner. Während die Mannschaften das Grün unseres Stadions betraten, wurden zahlreiche Kassenrollen in Richtung Tartanbahn geworfen, was optisch sehr gut ankam. Neben den roten Fackeln über dem Zaun erhellten Raketen den Himmel über dem Stadion, bevor der Block in einem schwarz-weiße Fahnenmeer verschwand. Insgesamt ein 1A-Intro der Marke Chaosstyle!

Auf unserer Heimseite dann das „ERSTER FUSSBALLCLUB SCHWEINFURT SEIT NEUNZEHNHUNDERTFÜNF“-Spruchband über einen Großteil der Gegengerade am Zaun. Dahinter wurde der Block in verschiedene Sektoren unter- und so optisch in „Weiß“ und „Grün“ eingeteilt: Weiße Ponchos hier, grüne Schlauchballons da. Ein wenig Rauch rundete auch hier ein gelungenes Intro ab, während zudem die Lautstärke zum Einlaufen der beiden Mannschaften überzeugen konnte. Wenn eine etablierte Szene wie Frankfurt aufdreht, sollte eine doch eher kleine Heimszene wie die unsere diese Pause zum Verschnaufen nutzen und kurz durchatmen. Besonders das „Pippi Langstrumpf“-Lied der Eintracht war gut laut und wird dem Verfasser dieser Zeilen wohl länger in den Gehörgängen bleiben. Ein Gästeblock im heimischen Stadion, der seinen Namen an diesem Abend mehr als verdient hat. Auch das S-G-E, bei dem die drei Teile der Frankfurter abwechselnd einstimmten, brandete am Spielfeldrand richtig gut auf. Auf unserer Heimseite ein Riesenkompliment an die beiden Vorsänger – einer auf dem neu erbauten Podest, einer auf dem Zaun. Aufgedreht, als gäbe es kein Morgen mehr, wurde der Stimmungskern rund um KM98, GreenBoyz, TBF und Bambule Crew Schweinfurt zu zahlreichen Gesangseinlagen motiviert. Dass man eine solche Heimmasse im Ligaalltag alles anders als gewohnt ist, erschwerte das Geschehen zusätzlich. Hut ab, Jungs! Während es im Eintracht-Block immer mal wieder leuchtete, hatten sich unsere Jungs ihr „Büro-Material“ gut aufgehoben: Kurz nach Anpfiff der zweiten Häfte erhellte eine Hand voll Fackeln die Gegengerade, was zusätzlich von einigen Blinkern und etwas grünem Rauch untermalt wurde. Sehr schön anzusehen das Ganze, meint insgeheim bestimmt auch der den Brei verderbende Koch auf der Tribübe. Dass das Geschehen auf dem Rasen spätestens ab Minute 63 durch den Treffer zum 0:3 durch Marius Wolf entschieden war, tat dem Support auf der Gegengerade an diesem Abend keinen Abbruch und so wurde die Mannschaft weiterhin, auch über die 90 Minuten hinaus, für ihren Kampfgeist, ihre Leidenschaft und ihr bis dahin Geleistetes gefeiert. Ein weiteres akustisches Highlight an diesem Abend stellte der „Scheiß DFB“-Wechselgesang zwischen Schnüdeln und Frankfurtern dar, der am unteren Spielfeldrand brachial knallte. In den Farben getrennt – in der Sache vereint!

Am Ende noch ein paar persönliche Zeilen zum vielleicht größten Spiel, welches der Autor im Willy-Sachs-Stadion mit seinen Schnüdeln erleben durfte: Ja, unser FC05 kann große Spiele! Und ja, bei knapp 16.000 Zuschauern ist wohl mittlerweile das Ende der Fahnenstange in unserem charaktervollen Stadion erreicht. Wenn einige Zuschauer jedoch mehr an alle und weniger an sich denken würden, hätte eventuell auch jeder der Anwesenden das Spiel mit ausreichend Sicht mitverfolgen können. Leider ist jedoch  – auch aus persöhnlicher Erfahrung – bekannt, dass in unserer schönen Stadt so manche Egoisten lieber darauf verweisen „schon seit 50 Jahren zum FC zu gehen“ und aus diesem Grund auf einen Privatstehplatz und sonstige Privilegien pochen und so keine anderen Personen direkt neben sich akzeptieren. Andere Meinungen schon grundsätzlich überhaupt nicht. Zusätzlich wird an allem nur Erdenklichen herumgenörgelt: Der Einlass zu langsam, am Bierstand zu viel los und die Toiletten waren auch überfüllt. Hey, für nur ungefähr 30 Euro im Monat könnt ihr so ein Spiel und noch viele weitere einfach von zuhause aus im Sessel verfolgen. Ganz ohne andere Zuschauer. Und wenn das Bier zu lange braucht, dann schnauzt doch einfach eure Frau an, die freut sich. Ganz bestimmt! Doch auch an das Lob soll an dieser Stelle gedacht werden: Danke an alle ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen, ohne die die Durchführung eines solchen Highlights in unserem Stadion gewiss nicht möglich gewesen wäre und in Zukunft auch nicht möglich sein wird! IHR SEID DER FC!

Datum: 24.10.2017 – Anpfiff: 20:45 Uhr
Spielstätte: Willy-Sachs-Stadion, Schweinfurt
Spiel: 2. Hauptrunde DFB-Pokal 2017/2018
Ergebnis: 0:4
Tore: 0:1 Haller (14.) – 0:2 Haller (58.) – 0:3 Wolf (63.) – 0:4 Blum (84.)
Zuschauer: 15.060 (darunter ca. 4.000 Gästefans aus dem Hessenland)

FC Schweinfurt 05: Eiban – Messingschlager, Strohmaier, Billick, Paul (77. Janz) – Kracun, Fery – Willsch, Jelisic (56. Pieper), Krautschneider – Jabiri (73. Schlicht)

SG Eintracht Frankfurt: Hradecky – Willems, Russ, Falette, Salcedo – Boateng (C), de Guzman, Barkok (46. Stendera), Wolf (66. Medojevic), Jovic – Haller (80. Blum)


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