Klassenerhalt! FC Schweinfurt 05 – Greuther Fürth II

Zu Tode betrübt, himmelhoch jauchzend. Was sich nicht alles innerhalb von sieben Tagen ändern kann. So stand man nach der 0:6-Packung in Memmingen doch schon – frei nach Oli Kahn – gehörig unter Druck. Ein Sieg musste her. Unbedingt. Und zwar möglichst hoch. Die Viktoria aus Aschaffenburg stand um 14:00 Uhr aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs punkt- und torgleich vor unseren Schnüdeln über dem Strich. Auch Schalding-Heining war noch in Reichweite, jedoch schon mit ordentlichem Vorsprung im Gepäck unterwegs. Vor der Partie werden Manuel Müller, Philipp Kleinhenz, Florian Wenninger, Tom Jäckel, Bastian Lunz und Daniel Mache verabschiedet, dann erfolgt der pünktliche Anpfiff. Zahlreiche grün-weiße Fahnen wehen durch den Block, eine spezielle Anti-FÜ-Fahne ist am Zaun befestigt und auch einige Doppelhalter sind zu sehen.

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Fürth84 Fürth86 Fürth87 Fürth85

Keine zwei Minuten ist die Partie alt, als Toptorschütze Steffen Krautschneider ohne nennenswerte Gegenwehr das 1:0 erzielt. Die Stimmung im Block zu Beginn, trotz des frühen Treffers zum 1:0, noch verhalten. Zu viel stand auf dem Spiel, zu groß war die Abhängigkeit von den Ergebnissen auf den anderen Plätzen. Ein Auge nach Ingolstadt, das andere nach Illertissen. Und mit den Stimmbändern beim FC05. So steigerte sich die Stimmung im Spielverlauf stetig, während die Partie ruhiger wurde und unser FC überlegen und weiterhin mit offensiver Ausrichtung agierte. In der 14. Minute dann Strafstoß in Ingolstadt und Illertissen: Das 1:0 für Aschaffenburg und der 0:1-Gegentreffer für Schalding-Heining. Gut und böse liegen so nah beieinander. Die Viktoria damit wieder vorbei an unseren Schnüdeln, Schalding rutscht hinter.

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Nach 15 Minuten per Freistoß die erste richtige Annäherung der grell-orangenen Fürther Müllmänner an das Schweinfurter Tor, jedoch drüber. Vier Minuten später erhöht Aschaffenburg auf 2:0 in Ingolstadt. Das stinkt doch zum Himmel! In der 24. Minute dann ein Bechmann-Freistoß-Hammer aus 30 Metern auf den Fürther Kasten, den der Torhüter gerade noch abwehren kann. Im Gegenzug die größte Fürther Chance, wieder per Freistoß, Janz verlängert auf die Latte. Knapp zehn Minuten vor der Halbzeit legt Mittelfeldantreiber Kevin Fery die Kugel überlegt auf Florian Wenniger, der aus spitzem Winkel zum 2:0 einnetzt. Nie mehr Bayernliga! Oder doch? Mittlerweile hat Schalding-Heining die Partie in Illertissen gedreht, führt dort mit 2:1, unser FC steht trotz eigener 2:0-Führung auf einem Relegationsplatz. Egal! Weiter, immer weiter! Kurz vor der Pause dann Tom Jäckel: Einen von Philipp Kleinhenz getretenen Freistoß verlängert unser Sturmtank zum 3:0 in die Maschen. Zur Halbzeit liegt unser FC05 nun also doch wieder vor Aschaffenburg. Die Tabellenkonstellation ändert sich in diesen Minuten häufiger als die Meinung von Horst Seehofer im Wahlkampf.

Die Stimmung im Block mit Wiederanpfiff grandios. Kaum ein paar Sekunden zum Durchschnaufen, immer wieder Gesangseinlagen. Hüpft bzw. läuft! Auch in Ingolstadt, wo der Gastgeber zum 1:2 gegen Aschaffenburg einnetzt. Der direkte Klassenerhalt nun immer greifbarer. Schalding-Heining entfernt sich parallel in Illertissen mit den Treffern zum 1:3 und 1:4 aus der Konferenz, was unabhängig von den Ergebnissen in Schweinfurt und Ingolstadt den direkten Klassenerhalt für die Passauer bedeutet. Glückwunsch an dieser Stelle. In der 53. Minute zielt Steffen Krautschneider knapp am Gästetor vorbei, während Aschaffenburg auf 3:1 erhöht. Meine Nerven! Nach einer weiteren guten Krautschneider-Chance ans Außennetz, dann wieder einmal die Gäste aus Fürth: Mergim Bajrami mit feinem Lupfer in den Strafraum, doch Tobias Gressel segelt knapp unter dem Ball hindurch. Meine Nerven 2.0! In der 67. Minute köpft Marino Müller, nach Krautschneider-Flanke von der linken Seite, zum 4:0-Endstand ein. Der Block, ach was, die komplette Gegengerade tobt und flippt aus. Bier, überall Bier. Verschüttetes Bier von allen Seiten. Und hüpfende Menschen, auch von allen Seiten. Von irgendwo unten am Zaun verbreitet sich die Nachricht, dass Aschaffenburg in Ingolstadt das 2:3 hinnehmen musste. Nochmal Bier, diesmal von oben! Das muss es doch jetzt eigentlich gewesen sein, ganz ehrlich Herr Klopp, das Ding ist durch, oder? Kevin Fery und Marino Müller weiterhin mit Chancen auf 5:0 zu stellen. Während der Anhang „Nie mehr Bayernliga, nieeee meeeehr, nie mehr!“ anstimmt, sickert das 3:3 aus Ingolstadt durch. Super Schanzer – Super Schanzer – Hey, hey! Die Blockfahne gegen alle Stadionverbote wird aufgezogen, sich zahlreichen T-Shirts entledigt und richtig Action veranstaltet.

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Vor der Partie stand die Frage im Raum, ob man in der Relegation lieber auf Großbardorf oder auf Hof treffen sollte, nun stellt sich eher die Frage: Wie kann man nach solch einer Leistung – oder den Heimspielleistungen in der Rückrunde insgesamt – überhaupt erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt perfekt machen? Irgendwas ist halt immer. Als das 4:3 und gar das 5:3 der Ingolstädter gegen den ehemaligen Konkurrenten um den direkten Klassenerhalt Aschaffenburg im Block verkündet werden, reift der Gedanke: Oh, das Bier war wohl schlecht. Oder zuviel. Oder beides. Nichts dergleichen, denn der unterfränkische Nachbar offenbart nach unserem Treffer zum 4:0 Auflösungserscheinungen allererster Güte. Irgendwie verständlich. DANN IST FEIERABEND! AUS, AUS! DAS SPIEL IST AUS! SCHWEINFURT BLEIBT ERSTKLASSIG! Oder so ähnlich. Pünktlich auf die Nanosekunde pfeift der Schiedsrichter das „Endspiel“ ab und das Tollhaus Willy-Sachs-Stadion droht zu explodieren. Überall feiernde Menschen. Glückliche Menschen. Glückliche feiernde Menschen mit nackten Oberkörpern. Der Schweinfurter zeigt eben gerne was er hat. Es duftet nach Bier. Und nach Klassenerhalt. Die Mannschaft schleppt sich zum Zaun, Michel Kraus und Philipp Kleinhenz besteigen eben jenen. Humba Humba Täterä auf fränkisch! Da die weiteren literarischen Meisterstücke nichts für zartbesaitete Ohren sind, an dieser Stelle nur soviel: Es geht um Bayern Hof und um die innige Freundschaft unserer Schnüdel zu den Rot******* aus der Domstadt. Und um irgendwas mit Scheiße. Als dann die Tore am Zaun geöffnet werden, schiebt sich eine feiernde Masse in Grün-Weiß auf das Spielfeld. Ein freudentrunkener Kollege, der damalige Aubstadt-Drift-Fahrer aus der letzten Relegation von vor zwei Jahren, fragt an, wie denn wohl die aktuellen Ebay-Preise für einen original Elfmeterpunkt aus der Kugellagerstadt so stehen? UN-BEZAHL-BAR! Wie diese Momente, mit der Mannschaft, mit Freunden und mit Fremden auf dem Schweinfurter Rasen, die zeigen, dass der Fussball von wesentlich mehr lebt, als von Millionengehältern, dem Gewinn der x-ten deutschen Meisterschaft und von Hochglanzpartien in der Champions League.

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Trainer Gerd Klaus: „Das empfinde ich als den größten und schönsten Erfolg meiner Trainerlaufbahn. Obwohl wir uns in der Winterpause nicht verstärkt haben, haben wir den Klassenerhalt geschafft. Wir haben im Team gut zusammen gehalten. Nächste Jahr wollen wir mal von da unten weg. Auf jeden Fall möchten wir nicht wieder im hinteren Bereich landen.“

Nach gefühlt 1905 Umarmungen und „Jaaaa, ist das geil!“-Bekundungen leert sich das Spielfeld langsam aber stetig. Auf der Tribüne bekommt FC-Legende Daniel Mache noch eine sehr gelungene Leinwand überreicht, es fließen Tränen. NIEMALS GEHT MAN SO GANZ! Auf dem Vorplatz fröhnt man im Nachgang dem schmackhaften Gerstensaft und verabschiedet sich so langsam in Richtung Sommerpause. Später sollten noch unsere Freunde vom einzigen Würzburger Fussballverein WFV auf ihrer Heimreise aus Bamberg einen Zwischenstop im Willy-Sachs-Stadion einlegen: Glückwunsch WFV, zum direkten Klassenerhalt! Information am Rande: Da Heimstetten dieses Mal nicht mit von der Partie war, erreichten die Hofer Bayern die Relegation zur Regionalliga und treffen dort auf den fränkischen Nachbarn Aschaffenburg. Ein attraktiver Gegner ist unserem FC05 also gewiss. Auf dem Heimweg wurde im Musikerviertel schließlich noch spontan in einem Vorgarten eine Humba angestimmt. Nie mehr Bayernliga, nieeee meeeehr, nie mehr! Mit diesen Worten fällt der Vorhang einer abenteuerlichen Saison in der Regionalliga Bayern.

Fürth91 Fürth90

  • Datum: 21.05.16 – Anpfiff: 14:00 Uhr
  • Spielstätte: Willy-Sachs-Stadion, Schweinfurt
  • Spiel: 34. Spieltag der Regionalliga Bayern (4. Liga)
  • Ergebnis: 4:0
  • Tore: 1:0 Krautschneider (2.) – 2:0 Wenninger (36.) – 3:0 Jäckel (45.) – 4:0 Müller (67.)
  • Zuschauer: 1.761 (davon ca. 5 Gäste aus Fürth)

FC Schweinfurt 05: Schneider – Messingschlager, Bechmann, Lunz, Janz, Fery, Wenninger (85. Kracun), Kleinhenz (58. Mar. Müller), Krautschneider, Krämer, Jäckel (62. Diroll)

Greuther Fürth II: Skowronek – Tischler (46. Wartenfelser), Kolbeck, Held (62. Schrödinger), Guerra, Gressel, Dilly, Steininger, Gallo, Bajrami, Kayaroglu


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