In der Fremde! BSG Chemie Leipzig – Stahl Riesa

Chemie sollte es also werden. Am frühen Morgen dieses regnerischen und trüben Samstagvormittags musste sich der Autor dieser Zeilen jedoch zuerst einmal darüber informieren, was derzeit in Leipzig fussballerisch, abgesehen von „Rasenball„, so läuft. Die beiden bekanntesten Vereine, Lokomotive und Chemie, waren zwar durchaus ein Begriff (auch dank Mario Basler), die Spielorte und aktuellen Situationen der beiden Clubs hingegen jedoch gänzlich unbekannt. Dann der große Treffer: Topspiel in der Sachsenliga – Der Zweitplatzierte, die BSG Chemie Leipzig, empfängt zuhause den Tabellenführer Stahl Riesa. Sachsenliga – ist das hier das, was bei uns in Franken die Bayernliga ist? Da das deutsche Ligasystem von Verband zu Verband (leider !!) höchst unterschiedliche Namensnennungen kennt, ging es hier also erst einmal an die Recherche: Die Regionalliga als vierte Liga, soweit klar. Bei uns die Regionalliga Bayern – hier die Regionalliga Nord/Ost. Mit durchaus geläufigen Namen wie dem FC Carl Zeiss Jena oder dem Berliner FC Dynamo. Eine Klasse tiefer trifft man in der Oberliga NOFV, mit dem 1. FC Lok Leipzig, auf den anderen der beiden Leipziger Traditionsvereine, der aktuell (rein sportlich) eine Liga über der BSG Chemie anzusiedeln ist. Bei uns in Franken ist die sächsische Oberliga, als 5. Liga, daher mit der Bayernliga zu vergleichen. Der TSV Aubstadt, seines Zeichens Relegationsgegner unseres FC Schweinfurts im vorherigen Jahr, gegen die Lokomotive aus Leipzig, ja, das hätte durchaus seinen Reiz: Hier ein fränkisches Dorf mit 749 Einwohnern – dort eine Großstadt mit knapp über 544.000 Einwohnern. Aber schnell weiter. Da der Lokomotive ein Sonntags-„Auswärtsspiel“ bei International Leipzig bevorstand, entschied sich der Autor für das Topspiel der Sachsenliga zwischen den Chemikern und den Jungs aus der Nudelstadt Riesa, angesetzt für Samstagnachmittag:

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  • Datum: 17.10.15 – Anpfiff: 15.00 Uhr
  • Spielstätte: Alfred-Kunze-Sportpark, Leipzig Leutzsch
  • Spiel: 8. Spieltag der Wernersgrüner Sachsenliga (6. Liga)
  • Ergebnis: 3:2 für „Schemie“
  • Zuschauer: 1672 (davon ca. 150 Schlachtenbummler aus Riesa)
  • Wetter: *****-Wetter, bei ungefähr 7 Grad

Angekommen im Nordwesten der Stadt. In Leutzsch – Der Heimat der Chemiker. Da die Spielstätte, die zu DDR-Zeiten noch unter dem Namen Georg-Schwarz-Sportpark bekannt war, zur einen Seite von Wohnhäusern (Erinnerungen an den Gladbacher Bökelberg wurden wach) umringt ist, konnte hier in einer der Straßen geparkt werden. Weiter also zu Fuß. Der Parkplatz vor dem Sportpark war neben zahlreichen Fahrzeugen mit eingebauten Zapfanlagen auch mit einigen gefüllten Fans gefüllt: Grün-Weiße Trikots – Grün-Weiße Schals. Da fühlte man sich als Schnüdel fast heimisch. Nun noch schnell für 5 Euro die Stehplatzkarte und für 1,50 Euro das sehr hübsch gestaltete Stadionheft „Fünfeck“ ergaunert, und ab hinein in den Sportpark. Stehplatz genommen hatte der Autor direkt oberhalb des Fanblocks am Norddamm, der in ordentlicher Zahl mit Chemikern gefüllt war. Mittlerweile waren auch im gegenüberliegenden Gästebereich einige Fahnen und Banner der Stahler aus Riesa zu sehen, die von den gut 150 Mitgereisten präsentiert wurden. Zahlreiche grün-weiße Zaunfahnen und Banner rundeten den durchweg positiven ersten Eindruck aus dem „Chemie-Sektor“ ab. Hier und da kleine Risse in Fassade und Mauer, rostbefleckte Zäune und Wellenbrecher und die obligatorischen Unkrautüberwucherungen zwischen den Steinplatten und Betonabgrenzungen. So eine Spielstätte strahlt einfach Charme aus und duftet nach Tradition und lange vergangenen Fussballschlachten die es hier zu schlagen gab. Die Fans der BSG Chemie unterstützten ihre Mannschaft gut und bisweilen lautstark. Ein Vorsänger der Ultragruppierung „Diablos“ stimmte an, und der größte Teil des Blocks zog mit. Zu Beginn des Spiel gab es eine größere Choreo der Ultras, die der Autor, seinem Platz hinter dem Fanblock geschuldet, jedoch nicht ganz einsehen konnte. Bis auf einige wenige „Scheiß Riesa“-Rufe, die nach kurzer Interaktion mit dem gegnerischen Torhüter zustande kamen, war der Support durchweg fair und auf die eigene Mannschaft konzentriert, was in vielen deutschen Stadien mittlerweile (leider !!) nicht mehr selbstverständlich ist. Weiter so, Chemiker!

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Ganz kurz noch zum Spielverlauf: Führung in der 11. Spielminute für die BSG Chemie – Ausgleich der Stahler aus Riesa nur zwei Minuten später in der 13. Spielminute – Führungstreffer für Riesa zum 2:1 in der 19. Spielminute. Zehn Minuten vor der Pause, in der 34. Spielminute, gelang der BSG Chemie der wohlverdiente Treffer zum 2:2-Ausgleich, was auch gleichzeitig dem Halbzeitstand entsprechen sollte. In der zweiten Halbzeit bestimmte „Schemie“Schämiiieh“ (Danke an den FB-Account der BSG Chemie für die Erläuterung der Leutzscher Mundart) größtenteils das Geschehen auf dem Platz, was in der 79. Spielminute zum entscheidenden 3:2-Siegtreffer führen sollte. Sportliches Fazit aus dem Leutzscher Holz: Ein Spitzenspiel der 6. Liga auf durchaus ansprechendem Niveau, das die Leipziger Betriebssportgemeinschaft Chemie verdient mit 3:2 gewonnen und sich damit die Tabellenführung in der Sachsenliga zurückgeholt hat. Persönliches Fazit aus dem Leutzscher Holz: Der Besuch der BSG Chemie im Alfred-Kunze-Sportpark hat sich auf alle Fälle gelohnt. Eine schöne, wenn (oder gerade weil) auch in die Jahre gekommene Spielstätte, eine kreative Fan- bzw. Ultraszene und ein gelungener Support der Mannschaft: Für die 6. Liga war das insgesamt schon verdammt stark. Man kann sich vorstellen, was hier in Leutzsch, auch fan- und zuschauertechnisch möglich wäre, wenn der Aufstieg in die Oberliga diese Saison klappen würde und es, wer weiß, vielleicht noch ein Stückchen weiter nach oben gehen könnte. Dem Verein und den Fans wäre es auf jeden Fall zu gönnen. Ich für meinen Teil werde hier in Leipzig-Leutzsch bestimmt mal wieder (auf einen leckeren Glühwein) vorbeischauen. Übrigens, nette Geschichte am Rande: Am Sonntag zuvor folgten rund 40 Chemiker dem Aufruf ihres Vereins, mit freiwilligem Arbeitseinsatz die Ränge des Stadions (auch des Gästeblocks) von Unkraut und Laub zu befreien. SO GEHT FUSSBALL!


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