Vor dem Saisonstart: Der Kampf um die Meisterschaft in Bayern

Wenn man sich die vergangenen Abschlusstabellen der Regionalliga Bayern anschaut, fällt eines rasch auf: Jedes Jahr war eine Mannschaft dabei, die den übrigen Teams recht deutlich überlegen war. Die von Anfang der jeweiligen Saison an das klare Ziel „Meisterschaft & Aufstieg“ ausgegeben hat. 2014/2015 waren das die mehr oder weniger geschätzten Kickers aus Würzburg, 2015/2016 der damalige Drittliga-Absteiger Jahn Regensburg, im Jahr darauf die SpVgg Unterhaching und im vergangenen Jahr bekanntermaßen 1860 München. Jeder dieser Vereine hat als Meister die darauffolgende Relegation für sich entscheiden können und spielt seitdem wieder im „bezahlten“ Fussball.

Und diese Saison? Ja, da scheint sich der Kampf um den Platz an der Sonne auf zwei Teams zu fokussieren: Unsere Schnüdel, die durch die getätigten Transfer noch einmal ihre Ansprüche deutlich gemacht haben und die U23 der Münchner Bayern. Bei zwei weiteren Mannschaften, die potenziell auch wieder für das Abenteuer Profifussball in Frage kommen würden, nämlich Bayreuth und Burghausen, bleibt abzuwarten, wohin die Reise die nächsten Jahre tatsächlich geht. Ansonsten tummeln sich in der Regionalliga Bayern eben, neben weiteren vier Profi-Reserven, zahlreiche „Dorfclubs“ – was an dieser Stelle nicht abwertend klingen soll – für die mit der Regionalliga jedoch das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Ein kurzer Rückblick ins Jahr 2013: Nach der Meisterschaft – unter anderem mit Spielern wie Mitchell Weiser und Alessandro Schöpf, die sich mittlerweile in der Bundesliga etablieren konnten – ging es für den FCB in die Relegation. Nachdem man im Hinspiel bei Fortuna Köln nur knapp mit 0:1 unterlag, war man im Rückspiel bis zur 94. Minute aufgestiegen. Bis der damalige Bayern-Torhüter Lukas Raeder einen kapitalen Bock schießt und Fortuna eben das 1:2. Der Münchner Nachwuchs war also in der Relegation gescheitert und unsere Schnüdel durften damals zum Dank noch eine zusätzliche Relegationsrunde gegen den TSV 1860 Rosenheim spielen. Seitdem kamen die kleinen Bayern als Zweiter, Sechster, Dritter und in der vergangenen Saison nochmal als Vizemeister ins Ziel. Sechs Punkte und eben auch einen Platz vor unseren Kugellagerstädtern, die seit dem Aufstieg 2013 in der Endabrechnung noch nie vor den Roten lagen. Doch das soll sich nun nach Möglichkeit ändern.

Mit Holger Seitz übernimmt der bisherige U17- und U19-Trainer die Münchner Regionalliga-Mannschaft. Zahlreiche Spieler haben den Verein verlassen, so auch Kapitän Nicolas Dorsch, der in die 2. Liga nach Heidenheim wechselte. Mit Milos Pantovic (12 Treffer, 10 Vorlagen), der ebenfalls in die 2. Liga (VfL Bochum) wechselte – verlor die Münchner U23 ihren zweitbesten Torschützen hinter „Otschi “ Wriedt, der aus dem aktuellen Team herausragt (29 Spiele: 21 Treffer, 5 Vorlagen). Im Mittelfeld sind vor allem Timothy Tillmann (6 Treffer, 6 Vorlagen), Fabian Benko (5 Treffer, 4 Vorlagen) und Raphael Obermair (5 Treffer, 5 Vorlagen) zu nennen, die den Verein verlassen haben. Umbruch trifft es wohl ganz gut, bei insgesamt 16 Zu- und 14 Abgängen. Verstärkt haben sich die Münchner in erster Linie mit zahlreichen Nachwuchskräften aus der eigenen Jugend. Auffallend ist hier lediglich die Verpflichtung von Maximilian Welzmüller: Der 28-jährige Mittelfeldspieler ist vom VfR Aalen gekommen und hat seit der Saison 2012/2013 über 170 Drittliga-Partien bestritten.

Man darf aus Schnüdelsicht also durchaus darauf hoffen, dass die U23 der Münchner, gerade zu Beginn der Saison, etwaige Anlaufschwierigkeiten bekommen könnte; dass sich die Mannschaft durch die zahlreichen Ab- und Neuzugänge erst finden muss. Die Testspielergebnisse deuten allerdings nicht wirklich darauf hin: Einem 8:0 gegen den FC Ismaning (Bayernliga Süd) folgten mit dem 4:1 gegen den Ligakonkurrenten FC Ingolstadt II und dem 5:0 gegen Wacker Innsbruck II weitere deutliche Siege. Auch das letzte Testspiel gegen die U23 des SC Freiburg (Regionalliga Süd-West) konnten die Bayern (1:0) für sich entscheiden. Dass die Meisterschaft und der Aufstieg die klaren Ziele der Münchner sind, ist bekannt. Ein haushoher Favorit – wie seinerzeit der Jahn aus Regensburg, die SpVgg Unterhaching oder die Nachbarn aus Gießing – ist die U23 der Bayern jedoch nicht. Und großspurige Aussagen eines 19-jährigen, der aus der A-Jugend des FC Kaiserslautern an die Isar gewechselt ist und bis dahin noch kein einziges Spiel im Herrenbereich bestritten hat (!) [Paul Will: „Wenn wir weiter so hart arbeiten und dementsprechend Fortschritte machen, steht dem Aufstieg dieses Jahr nichts im Wege.“] könnten unsere Kugellagerstädter nur noch zusätzlich motivieren. Ob das dann die wohlbekannte „Mia san Mia“-Mentalität oder einfach nur pure Arroganz und Selbstüberschätzung ist, darf jeder selbst beurteilen. Und am Ende gilt bekanntlich ja sowieso: „Entscheidend is auf’m Platz“.