Heimspiel! FC Schweinfurt 05 – TSV 1860 München

Am vergangenen Samstag war es soweit: Das letzte wirkliche Highlight im ansonsten doch eher mausgrauen Alltag der Regionalliga Bauern wurde im Wohnzimmer unserer Schnüdel – dem Willy-Sachs-Stadion Schweinfurt – angepfiffen. Nachdem die Saison – auch gemäß öffentlichen Aussagen unseres Cheftrainers – ja bereits gelaufen ist, wird an dieser Stelle darauf verzichtet, das sportliche Geschehen auf dem Rasen noch einmal Revue passieren zu lassen. Ist dies doch ausführlich in diversen Medien nachzulesen. Daher nur folgendes Schlagwort, welches den Spielverlauf über die 90 Minuten ganz passabel beschreibt: Mölders.

Kommen wir nun direkt zu den anderen Geschichten, die dieser Spieltag schreiben durfte oder gar musste. Bis auf einen kurzen Sichtkontakt im Innenstadtbereich, der aber ungleich von der reichlich anwesenden Staatsmacht unterbrochen wurde, war vor und während der Partie wenig bis gar nichts los. Ein paar festgesetzte Gäste aus der Landeshauptstadt, das war es dann aber auch schon. Der Großteil von München Blau sammelte sich an der sogenannten „Fanmeile“ auf dem Stadiongelände oberhalb des Gästeblocks. Unser Problem damit? In Schweinfurt werden Gästeanhänger hofiert, dürfen im Stadionbereich ihre eigenen Fressalien verkaufen und gegen Spenden gar Schals und andere Fanutensilien an den Mann und die Frau bringen, während man sich im Gegenzug als Schnüdel-Anhänger auswärts wie der letzte schwerkriminelle Volldepp behandeln lassen muss. Auf Deutsch: Fanden wir irgendwie überflüssig! Auch darf man gespannt sein, ob unsere „netten Gäste“ Post aus unserer Stadt erhalten werden, da das Sitzen bzw. Besteigen des Zauns am Block schließlich eine Ordnungswidrigkeit darstellt und in der heimischen Szene hier schon hart durchgegriffen wurde. Vermutlich nicht, denn in Schweinfurt wird eben gerne mit zweierlei Maß gemessen. Danke für Nichts!

Während die Löwen mit einem ordentlichen Fahnenmeer aus gelben und blauen Fähnchen hinter einem großen Zaunbanner in die Partie starteten, verzichteten die Gruppen auf der Gegengerade auf eine einheitliche Choreographie. So waren es eine handvoll grün-weißer Schwenker und ein paar wenige große Fahnen, die neben den Doppelhaltern der Bambule Crew zum Anpfiff optisch in Erscheinung traten. Zu Beginn der Partie konnte der Heimblock akustisch mit guter Lautstärke überzeugen, was sich spätestens in der zweiten Hälfte deutlich verschlechtern sollte. Aber wie soll das auch anders sein, wenn sich plötzlich wildfremde Leute zu diesen Eventspielen mitten im Block wiederfinden, ohne sich aktiv zu beteiligen, ohne den Arsch hochzubekommen? Die Löwenanhänger über 90 Minuten mit einem sehr ordentlichen Auftritt, besonders durch diejenigen Gesangseinlagen, bei denen nahezu alle der ca. 3.000 Giesinger im Gästeblock mitgezogen haben. Am Samstag konnte man an dieser Stelle sehr schön beobachten, was richtige Trommeln und gute Vorsänger ausmachen und wie diese einen kompletten Gästeblock mitnehmen, ja mitziehen können. Unlustiger Fun Fact an dieser Stelle: Einen Tag vor der Partie erreichte uns die Meldung, dass der Schweinfurter Polizei wohl spontan noch ein paar tolle Ideen in den Sinn gekommen sind. So musste im Vorfeld ein Name angegeben werden, falls ein Vorsänger das Podest vor dem Zaun besteigen wollen würde. Auch seien maximal 10 Schwenker erlaubt, die vorher ebenfalls (jeder einzelne) per Namen angemeldet werden mussten. Einen Fanmarsch (der sowieso nicht geplant war), wollten die Ordnungshüter nicht sehen, „normal auf den Wegen laufen ist kein Problem„. Geht’s eigentlich noch? Naja, am Eingang sollte sich das alles dann als wesentlich unproblematischer herausstellen, als zuvor angekündigt. Plötzlich durfte gar der große Schwenker mit auf die Gegengerade, der ein paar Wochen zuvor gegen Bayern II komischerweise noch zu groß war und so draußen bleiben musste. Willkür? Nein! Es geht um Sicherheit. Natürlich! Hauptsache einen Tag vor Anpfiff nochmal komplett freigedreht. Danke für Nichts, Teil 2! Apropos Sicherheit: In der 20. Spielminute wurde seitens der Bambule Crew das Spruchband „POLIZEISTAAT?!? NEIN DANKE! gezeigt, welches die Kritik zum quasi schon beschlossenen bayerischen Polizeiaufgabengesetz untermauern sollte. Zu dieser Thematik wird es in den nächsten Tagen hier jedoch noch einen gesonderten Artikel geben, daher nur soviel: Wer sich weitergehend dazu informieren möchte, soll die Suchmaschine seines Vertrauens benutzen oder einfach hier einsteigen. Ein weiteres Spruchband der BCS erblickte in der 60. Spielminute als lieben Gruß an die unverschämte Gangart des Herrn Dr. Renè van Eck das Sonnenlicht des Willy-Sachs-Stadions.

Wer sich am Samstag gewundert hat, dass die wie üblich zu Ligaspielen von Frank Laumer ausgerichtete Halbzeitshow nicht durchgeführt wurde: Schreibt doch bitte alle mal einen netten Brief oder eine nette E-Mail an unsere Lieblinge vom Bayerischen Rundfunk [Hier klicken für die Kontaktdaten]. Am Samstagfrüh, also ein paar Stunden vor der Partie, erreichte Frank Laumer die überraschende Nachricht, dass der Bayerische Rundfunk „keinen Platz“ für die Halbzeitshow habe, da ja ganz wichtige Interviews und diverse Auslosungen live im Stadion geplant seien. Lieber BR: Wie Ihr von den mehr als zahlreichen Live-Übertragungen der Münchner Löwen diese Saison eigentlich mittlerweile wissen solltet, ist ein Fussballfeld relativ groß. Zumindest so groß, als dass man darauf ein Bierkasten-Schießen durchführen könnte, ohne dabei Eure Übertragung auf der Tartanbahn vor dem Gästeblock zu stören oder sonst in welcher Art und Weise zu tangieren. Das Fass zum Überlaufen brachte schließlich die Tatsache, dass die ach so wichtige Live-Auslosung lediglich im TV übertragen und so der Stadioninnenraum die Halbzeit über ganz regulär mit lauter Musik beschallt wurde. Kann man so machen, ist halt dann Scheiße! Zumal die von Frank Laumer ausgerufenen 300 Euro, welche beim Bierkastenschießen zusammengekommen wären, komplett für die Spendenaktion der Fans für das Schweinfurter Frauenhaus – sprich den guten Zweck – eingeplant waren. Warum aber zeigt in solch einer Situation ein Verein bzw. die Vereinsführung nicht klare Kante und pocht gegenüber der Fernsehanstalt auf Einhaltung der Abmachung mit einem Sponsor und stärkt einem langfristigen Partner so den Rücken? Klar Herauszunehmen von der Kritik sei an dieser Stelle Vereins-Mitarbeiter Benjamin Liebald, der sich noch am Samstag persönlich um eine Lösung der Problematik (die ja eigentlich gar keine war) bemüht hatte. Zum Thema „Karma is a bitch“: Der Autor dieser Zeilen wurde am Tag vor der Partie angefragt, ob der Bayerische Rundfunk honorarfrei – zu deutsch: für lau – Fotos des Autors für seine Webseite verwenden darf. Und, was bin ich im Nachhinein froh, hier hart geblieben zu sein und mit einem schlichten „Nein“ geantwortet zu haben. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere ja daran, wenn der nette Bayerische Rundfunk das nächste Mal mit Krokodilstränen für seine total selbstlosen und ausschließlich der Nächstenliebe dienenden „Sternstunden“ sammelt und unterstützt dann lieber direkt ein regionales Projekt in oder um Schweinfurt? Es soll da ja einige geben, munkelt man.

Weiteres aus der Kategorie „Sowas gibt’s auch nur beim FC!“: Michael Horling von in-und-um-SW.de war einige Tage vor dem Spiel gegen 1860 München mit dem (ehrenamtlichen!) inhaltlichen Befüllen einer Sonderausgabe der Stadionzeitung beauftragt worden. Was dann folgte, beschreibt er hier:

„Also, ich bin frustriert, enttäuscht, sauer, fassungslos – sucht Euch was aus! Zumindest ist es die komplette Ernüchterung, wenn schon am Samstag die ersten Leute zu mir kommen und mich fragen, ob das Stadion-Sonderheft – wir können natürlich gerne darüber diskutieren, ob es gut wurde oder nicht, ich denke aber, es ist allemal diesmal einen Euro wert gewesen – ausverkauft ist, weil es keines mehr gibt. Schon gegen die Löwen aber wurde es irgendwo in einer Ecke fast anonym an einem Fanstand angeboten, die Zuschauer sind zu hunderten dort natürlich nicht vorbei gekommen. In allen anderen Stadion der Welt, auch auf allen Dorfplätzen, bekommt man Stadionhefte an der Kasse oder an der Bierbude. Nur beim FC 05 bietet man die Dinger so an, als wären es giftige und verfaulte Bananen: Bloß nicht an den Mann bringen.

Indirekt freute ich mich am Sonntag, weil ich dachte: Naja, ausverkauft, ist ja okay. Dienstag gegen Memmingen wurden keine Hefte mehr angeboten. Und dann höre ich, dass im Fanshop kistenweise (!) noch Hefte liegen….. Ich bin nach der Partie rein und fragte die mir völlig unbekannte Frau – und die sagte, sie ist jetzt das dritte Mal im Shop und es wäre immer so, dass dort die Kisten mit den Stadionheften stehen….
Ich fasse es nicht!!!! Kann das sein???? Wer verantwortet sowas? Warum drucken wir Stadionhefte, wenn wir sie in irgendwelchen Ecken abstellen und den Zuschauern nicht anbieten? Was geht denn da bitte ab?

Und dann schaue ich das Heft durch und sehe….. Die Anzeige von inundumsw.de, meine einzige Bedingung dafür, dass ich gratis und ehrenamtlich die Beiträge auf 15 (!) Seiten gemacht habe, ist nicht drin!!! Dafür auf einer ganzen und einer halben Seite die Anzeige der Main-Post, die rein gar nichts geleistet hat für dieses Heft. Die lachen mich doch alle aus. Ich denke gerade ernsthaft darüber nach, ein Honorar zu verlangen für diese Dienste. 15 Seiten a 20 Euro: Wären 300 Euro okay? Angemessen wäre das sicherlich. Weil der Verein mit dem Verkauf der Hefte ja richtig Geld macht. Zumindest machen kann… Und dann ist da auch noch eine Seite zum Film Stundenglas drin, der angekündigt wird für´s Kino „Coming soon“ – der lief aber im Herbst 2017 schon. Das ist doch lächerlich!

Ich kann verstehen, dass Frank Laumer komplett verärgert ist (über andere Dinge) und die immer wieder zu Tage tretende Unprofessionalität gerade die Leute ärgert, die gerne helfen wollen, die aber mitbekommen, dass andere Leute angesehen sind im Verein und einzelne und deren Engagement einfach nicht ernst genommen werden. Das mit dem Stadionheft schlägt dem oft zitierten Fass nun den Boden aus. (…)“.

Geben und nehmen besteht übrigens nicht nur aus ’nehmen‘, liebe GmbH-Führung!

Datum: 07.04.2018 – Anpfiff: 14:05 Uhr
Spielstätte: Willy-Sachs-Stadion, Schweinfurt
Spiel: 32. Spieltag der Regionalliga Bayern
Ergebnis: 1:3
Zuschauer: 6.872 (ca. 3.500 Löwen)
Tore: 0:1 Mölders (26), 1:1 Krautschneider (30.), 1:2 Mölders (32.), 1:3 Mölders (53.)

FC Schweinfurt 05: Eiban –  Messingschlager, Janz, Billick, Fritscher – Weiß, Fery (58. Jelisic), Kling (58. Kracun), Krautschneider (58. Görtler)  –  Pieper

TSV 1860 München: Hiller – Weber, Weeger, Mauersberger – Wein, Berzel (77. Köppel), Steinhart – Koussou (85. Kindsvater), Ziereis (66. Seferings), Karger – Mölders


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