Gegen 11 Uhr fanden sich ca. 35 reisefreudige Mitfahrer am Willy-Sachs-Stadion ein, um gemeinsam die vermutlich letzte Auswärtsfahrt des Jahres anzutreten, da die meisten nicht so recht an die Durchführbarkeit des Nachholspiels in Hof am nächsten Wochenende glauben woll(t)en. So einigen Gesichtern war es durchaus anzusehen, dass sie einen Großteil der letzten nächtlichen Stunden vermutlich nicht zuhause im Bett verbracht hatten (O-Ton: „Im Kopf bin ich noch mehr im Eimer als äußerlich.“) Aber egal, bis zum Zielort in der Oberpfalz, knapp hinter der Grenze zu Mittelfranken, konnte man im Bus doch noch einige Mützen voll Pfeffi Schlaf nachholen. Dann kam der Bus. Und mit ihm ein Mann, der sich zumindest formell als Busfahrer ausgab. Spätestens als dieser jedoch die Landkarte ausbreitete um erst einmal nachzufragen, wo es denn heute überhaupt hingehen sollte, schrillten alle Alarmglocken. Während sich ein Teil der Besatzung um das kulinarische und leibliche Wohl der Mitfahrer kümmerte – welches in erster Linie aus gut gefüllten Rothbierkästen bestand – erklärte ein anderer Teil dem Herrn Busfahrer, dass Seligenporten eher nicht bei München liege und welche Autobahnen wohl zum Ziel führen würden. Als die letzten fehlenden Mitfahrer mit dem Taxi in letzter Sekunde zum Bus gebracht wurde, konnte die wilde Fahrt gen Kloster schließlich losgehen.
Die Stadtgrenze in Form der Hahnenhügelbrücke war gerade so passiert, als auch schon die Toilettentür streikte. Einfach so, ohne jegliche Fremdeinwirkung, so munkelt man. Nach zwei kurzen Zwischenstops, welche zur Aufnahme weiterer Mitreisender führten und unseren sogenannten Busfahrer zu vogelwilden Rangiermanövern an der ARAL-Tankstelle zwangen (O-Ton: „Ach du Schei**, was fährt der denn zusammen? Hat mal jemand kontrolliert, ob der gute Mann nüchtern ist?!“) kam letztendlich ein gutgelaunter Schnüdelbus am Zielort (nicht München!) an. Für die angehenden Geographen unter uns: Seligenporten ist ein Ortsteil des Marktes Pyrbaum im oberpfälzischen Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz und liegt ca. 20 Kilometer südöstlich von Nürnberg. Laut Wikipedia beherbergt Seligenporten zum 25. Mai 1987 (!) genau 1001 Einwohner, wenn man der Lügenpresse an dieser Stelle glauben schenken darf. Aktuellere Zahlen waren ohne harte Rechereche nicht aufzutreiben. Schade eigentlich. Über einen Feldweg ging es einmal rund um die MAR-Arena, bis der Bus schließlich punktgenau vor einem Misthaufen (!) zum Stehen kam. Handgezählte 4 Polizeibusse und 3 Polizei-PKW samt schwarz gekleideter Besatzung (ca. 20) nahmen uns vor diesem Misthaufen (angenehm zurückhaltend) in Empfang. Ein Beitrag bezüglich Steuerverschwendung in Mario Barths investigativer Show „Mario Barth deckt auf“ dürfte uns bzw. dem bayerischen Staat damit eigentlich sicher sein. Bevor es für ermäßigte sieben Euro in die Südkurve den Gästeblock ging, wurden noch die drei Dixis mit Schweinfurter Aufklebern bekannt gemacht, sorry, leider geil. Nachdem noch schnell einigen bekannten Schweinfurter Gesichtern auf der benachbarten Tribüne „Servusla“ gesagt wurde und die neuerworbene GoPro zielsicher in Stellung gebracht wurde, pfiff der Schiedsrichter die Partie an.

Gesprächsthemen Top-5 während der ersten Hälfte im Block: Welcher Spieler trägt welche Nummer, warum hat unser Joe nach fünf gespielten Minuten immer noch keine Gelbe, wieso schmeckt das Tucher-Bier auch nach dem vierten noch nicht und wieso sind die Zigaretten schon vor der Halbzeitpause leer? Schon reißt uns ein Elfmeterpfiff aus allen Tagträumen: Der Schiedsrichter möchte gesehen haben, wie unser Keeper David Paulus einen gegnerischen Stürmer im Strafraum foulwürdig zu Fall gebracht hat. Ist natürlich alles Unsinn, was unser Schweinfurter Block dem Unparteiischen auch sogleich lautstark mitzuteilen versucht (O-Ton: „Das hätte ja nicht einmal der Hoyzer gepfiffen, Du Blinder!“). Dass auch die größten und überhaupt objektivsten Fussballexperten (= formerly known as WIR!) ab und an mal daneben liegen dürfen, erfahren wir Stunden später auf der Weihnachtsfeier der SZENE1905 (D. Paulus: „Ja, ich hab ihn schon berührt.“). Nach einer knappen Viertelstunde steht es hier also 1:0 für die gastgebenden Klosterer (War es das schon mit dem Aufstieg?!). Auf eine gute Schussmöglichkeit durch Steffen Krautschneider folgt der schnelle Ausgleich durch Nicolas Görtlers siebtem Saisontreffer in der 23. Minute. Nur drei Minuten später versenkt Marius Willsch eine Hereingabe von Steffen Krautschneider zum 2:1! Das Spiel ist gedreht, die Stimmung bisher eher mau. Zehn Minuten vor dem Halbzeitpfiff gleichen die Hausherren mit ihrer zweiten Torchance aus. Neuer Spieltag, altes Spiel…
Nach dem Pause drehte neben unseren Schnüdeln auf dem Rasen auch der Gästeblock auf: Die mitgebrachten grün-weißen Schwenker wurden verteilt und umrahmten eine große Fahne nebst Doppelhalter. Die Trommel legte los: 1905! FC Schweinfurt 1905! Während unser Ex-Keeper Christopher Pfeiffer zahlreiche gute Möglichkeiten unserer 05er vereiteln konnte, sang sich der Gästeblock warm. Passend dazu stellte Adam Jabiri nach Vorlage Nikola Jelisic in der 65. Minute auf 3:2 aus Schnüdelsicht, was der Stimmung zusätzlich förderlich war. Zwanzig Minuten vor Schluss besorgte Marco Haller, wieder nach Vorarbeit Jelisic, den Treffer zum 4:2-Endstand. Bis auf eine unspektakuläre rote Karte gegen den SVS passierte nicht mehr allzu viel auf dem Spielfeld. Verdienter Auswärtssieg nach insgesamt sehr ordentlicher Leistung, passt schon so. In der Rückrunde stehen nun drei Siege aus drei Spielen, bei einem Torverhältnis von 12:2, was nur vom Branchenprimus aus Unterhaching getoppt wird.
Unser Bus machte sich dann auch relativ schnell vom Acker (im wahrsten Sinne!) und begab sich auf die Heimfahrt, welche uns bis Gerolzhofen über ein paar unterfränkische Dörfer führen sollte, da der Busfahrer noch nie etwas von gesperrten Straßen gehört hatte. Auch, dass die Bustoilette nach gefühlten 100 Kästen bestem Schweinfurter Rothbieres irgendwann dann doch einmal voll sein könnte, war ihm neu. Kurz vor dem eigentlich unvermeidlichen Überlaufen gelang es unserem Fahrer dann aber doch noch einen Parkplatz anzusteuern und mal ordentlich Wasser zu lassen (O-Ton: „Das ist doch Pfeffi, schau da doch mal hin!“). Ohne weitere nennenswerte Vorkommnisse kamen wir gegen 18.45 Uhr am heimischen Willy-Sachs-Stadion an, bevor zur SZENE1905-Weihnachtsfeier gerufen wurde.
- Datum: 26.11.2016 – Anpfiff: 14:00 Uhr
- Spielstätte: MAR-Arena Seligenporten
- Spiel: 21. Spieltag der Regionalliga Bayern (4. Liga)
- Ergebnis: 2:4
- Tore: 1:0 Herzner (14.) – 1:1 Görter (23.) – 1:2 Willsch (26.) – 2:2 Civelek (35.) – 2:3 Jabiri (65.) – 2:4 Haller (69.)
- Zuschauer: 280 (davon ca. 50 Schnüdel aus Schweinfurt)
- Entfernung von Schweinfurt: 158 Kilometer
Florian Schlicker, Trainer SV Seligenporten: „Wir wussten, dass es ein schweres Spiel wird. In der ersten Halbzeit haben wir sehr gut Paroli geboten. Für die Zuschauer war es herrlich, sie haben ein offensives Spektakel geboten bekommen. In der zweiten Halbzeit sind wir durch eine dumme Geschichte in Rückstand geraten.“
Gerd Klaus, Trainer FC Schweinfurt 05: „In der ersten Halbzeit hat uns Seligenporten mit ihren schnellen Außenspielern Probleme bereitet. In der zweiten Halbzeit haben wir umgestellt und uns den Sieg verdient.“
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